15.12.2018 Alter: 184 days
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Die neue DIN EN ISO 50001:2018

Die im August dieses Jahres erschienene neue Version der ISO 50001 liegt nunmehr auch in der deutschen Fassung als DIN EN ISO 50001 vor.


Damit ist auch diese Managementsystemnorm auf die sogenannte High Level Structure (HLS) umgestellt worden, so dass sie in die gesamte Managementsystem-Landschaft leichter integrierbar ist. In diesem Artikel soll insbesondere das Thema der sogenannten fortlaufenden Verbesserung der energiebezogenen Leistung (ebL) im Mittelpunkt stehen.

Die Zertifizierungsgesellschaften arbeiten intensiv an der Umsetzung aller Anforderungen in ihre Abläufe und an der Qualifikation der Auditoren, so dass etwa ab dem zweiten Quartal 2019 gemäß der neuen Norm zertifiziert werden kann.

Fortlaufende Verbesserung bedeutet, dass man sich in der Regel von Jahr zu Jahr verbessert, aber es auch ab und an ein Jahr geben darf, in denen es Rückschläge gibt, ohne das damit gleich der Status des Energiemanagementsystems angetastet wird. Im engeren Sinne wird in der neuen Norm unter fortlaufender  Verbesserung der ebL ausschließlich die fortlaufende Verbesserung der Energieeffizienz verstanden. D. h., auch eine Minderung des Energieverbrauchs ohne Effizienzsteigerung ist u. U. keine Verbesserung der ebL.

Der Umstieg auf erneuerbare Energie liefert auch keinen Beitrag zur fortlaufenden Verbesserung der energiebezogenen Leistung. Sie stellt lediglich einen anderen Energieträger dar. Diese Festlegung halte ich für ausgesprochen problematisch, denn es gibt so für Unternehmen, die z. B. nicht am Emissionshandel teilnehmen müssen, keinen Anreiz mehr, bei der Wahl der Energieträger auf Quellen mit geringen Treibhausgasemissionen besonders zu achten. Auch Projekte zur betriebsinternen Energieerzeugung, z. B. durch den Einsatz von Fotovoltaik, werden so aus meiner Sicht unzulänglich gewürdigt. Ich halte dies für eine fatale Entwicklung, die so lange problematisch ist, wie es z. B. durch eine nennenswerte Steuer auf Treibhausgasemissionen keine anderen Anreize gibt. Auch die Kosten für die Zertifikate im europäischen Emissionshandelssystem üben zur Zeit noch keinen starken Anreiz aus.

Für die im Rahmen der energetischen Bewertung identifizierten Bereiche wesentlichen Energieverbrauchs (SEUs) sind Kennzahlen zu bilden, die zum Nachweis der Verbesserung der ebL heranzuziehen sind.„Wo die Organisation Daten besitzt, die darauf hinweisen, dass relevante Variablen sich wesentlich auf die energiebezogene Leistung auswirken, ist Berücksichtigung von relevanten Variablen und statischen Faktoren angemessen“. Im Abschnitt 6.5 zur energetischen Ausgangsbasis ist die Normalisierung der Energiekennzahlen EnPIs und der Energiebasen EnBs gefordert, wenn Änderungen der energiebezogenen Leistungen verglichen werden sollen. D. h., relevante Einflussfaktoren auf die Kennzahl sind zu identifizieren, zu quantifizieren und aus der EnPI herauszurechnen (normalisieren).

Hieraus wird auch deutlich, dass z. B. Messungen des Energieverbrauchs vor und nach der Durchführung einer Maßnahme allein als Nachweis zur Verbesserung der ebL nicht ausreichen, solange nicht klar ist, welche sonstigen wesentlichen Einflussfaktoren auf den Energieverbrauch vorliegen und wie hoch deren Einfluss auf diese beiden Messungen ist. Daher müssen im Rahmen der Analyse die wesentlichen Einflussfaktoren identifiziert und quantifiziert werden. Dies erfordert in der Regel neben der Messung des Energieverbrauchs eine Messung der entsprechenden Parameter. Folgende Kategorien von Einflussfaktoren können dabei z. B. in Frage kommen: Produktions- und Nutzungsarten, Umwelt- und Produktionseinflüsse, Rohstoffmerkmale, Wartungsintervalle und Reparaturen sowie Nutzer- oder Bedienverhalten.

Zur mathematischen Lösung dieses Problems kann man als anerkannte statistische Methode die sogenannte multivariate Regressionsanalyse mit folgendem Ansatz anwenden:

y = b0 + b1x1 + b2x2 + ... + bnxn

y: gemessener Verbrauch

b0: statischer Verbrauch je Messperiode (Grundlast)

bn: (Regressions-)Koeffizient von xn

xn: veränderlicher Einflussfaktor (relevante Variable)

Die mit den jeweils ermittelten Koeffizienten multiplizierten und aufsummierten Einflussfaktoren ergeben den Verbrauch im Rahmen der Anzahl, Genauigkeit und Vollständigkeit der Untersuchung.

Die neue ISO 50001 in Verbindung mit den Normen ISO 50006, 50015 und 50047 will also den Unternehmen helfen, die Analysen messtechnisch, mathematisch und statistisch so sauber durchzuführen, dass es zu keinen Fehleinschätzungen kommt und tatsächlich alle relevanten Einsparpotenziale erkannt, bewertet und soweit wirtschaftlich, genutzt  werden können. Bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit sollte nicht nur eine Betrachtung der Amortisationszeit erfolgen, sondern eine Berechnung auf Basis des Kapitalwertes durchgeführt werden, um auch hier nicht zu Fehleinschätzungen zu kommen.

Die GUT kann Sie bei der Konzeption der Messtechnik, der Datenaufnahme und insbesondere der Datenanalyse in allen Bereichen unterstützen. Dazu haben wir unter anderem eigene Datenanalyseinstrumente und Methoden im Kontext der sogenannten Power BI Tools von Microsoft entwickelt, bei dem wir in der Regel Excel als Analyse- und Reportingtool nutzen. Für große Datenmengen können gegebenenfalls MySQL bzw. MS SQL als Datenbasen genutzt werden.

Darüber hinaus sammeln wir mit Partnern jetzt Erfahrungen in der automatisierten Datenanalyse mit Machine Learning bzw. der Anwendung von künstlicher Intelligenz.

Dr. Ralf Freise, GUT


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