07.12.2023 Alter: 2 yrs
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Persistente Chemikalien - Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch PFAS


Die PFAS-Stoffgruppe umfasst mehr als 10.000 verschiedene Stoffe, die aufgrund ihrer Eigenschaften in zahlreichen Alltagsprodukten und verschiedenen Industrien Verwendung finden. Trotzdem wird zurzeit eine allgemeine Beschränkung der Stoffgruppe diskutiert.

Die per-und polyfluorierten Alkylsubstanzen sind Organische Verbindungen aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig oder teilweise durch Fluoratome ersetzt wurden. Die PFAS werden unterteilt in kurzkettige, bei welchen es sich um alle Verbindungen mit weniger als sieben perfluorierten Kohlenstoffatomen handelt, und langkettige Verbindungen. Sie kommen nicht natürlich vor, sondern werden erst seit den späten 1940ern industriell hergestellt. So beliebt machen sie ihre wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften sowie ihre chemische und thermische Stabilität. Die PFAS finden deshalb Anwendung in Verbraucherprodukten wie Textilien, Kochgeschirr, Elektrogeräten und Kosmetika. Auch zur Oberflächenbehandlung von Metallen und Kunststoffen, in Pflanzenschutzmitteln oder Feuerlöschern werden die Stoffe verwendet.

Das Problem der Stoffgruppe ist hier jedoch ihre extreme Langlebigkeit. Zudem sind sie kaum abbaubar. Nicht mal Sonnenlicht oder Mikroorganismen können PFAS zerstören. Deswegen werden diese Stoffe auch persistente Chemikalien oder „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Die chemischen Substanzen verteilen sich innerhalb kürzester Zeit in unserer Umwelt und reichern sich fortwährend an. Sobald die Chemikalien in die Umwelt gelangt sind, werden Böden, Gewässer, Pflanzen und Tiere Jahrhunderte lang belastet. Dies geschieht entweder direkt durch die Freisetzung bei der Herstellung in die Luft oder in Gewässer oder indirekt durch die Anwendung von Produkten und bei Entsorgung dieser. Selbst in unbesiedelten Gebieten wie der Polarregion oder der Tiefsee sind mittlerweile PFAS-Stoffe nachweisbar.

In den menschlichen Organisamus gelangen die Stoffe anschließend über Lebensmittel inklusive dem Trinkwasser und verbleiben nach der Aufnahme lange in den menschlichen Organen. Die Chemikalien werden auf unterschiedliche Weisen in die Lebensmittel eingetragen. So sind sie unter anderem in Futtermitteln für Tiere, Böden und Bedarfsgegenstände wie Verpackungen nachweisbar.  Das Wissen um die Wirkung der PFAS ist noch begrenzt. In den letzten Jahren konnten jedoch bei einigen Stoffen aus der Gruppe gesundheitsschädliche Wirkungen nachgewiesen werden. Besonders in der Kombination mit der Langlebigkeit der PFAS kommen Bedenken auf. Denn selbst wenn keine PFAS mehr freigesetzt werden, bleiben die Chemikalien noch über Generationen hinweg in der Umwelt und im Menschen vorhanden. Gesundheitliche Auswirkungen, die in Zusammenhang mit einer hohen PFAS Belastung gebracht werden, sind verringerte Fruchtbarkeit, höhere Cholesterinwerte, verminderte Wirkungen von Impfungen, höheres Diabetesrisiko und eine erhöhte Krebsgefahr.

Aufgrund dessen sind bereits mehrere hunderte PFAS-Verbindungen verboten. Die Verwendung der PFAS-Untergruppe PFOS ist bereits seit 2006 und die der Untergruppe PFOA seit 2020 weitgehend verboten. Aber auch die derzeit eingesetzten legalen Stoffe der Gruppe sind hinsichtlich ihrer möglichen Gefahren noch nicht ausreichend charakterisiert. Ein Verbot der chemischen Substanzen im Allgemeinen würde viele Industrien stark treffen. Deshalb warnen Industrieverbände vor einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und von Arbeitsplätzen. Wichtige Produkte wie Schutzkleidung, Löschschäume und einige Medizinprodukte wären vom Verbot betroffen. Trotz der praktischen Eigenschaften der Stoffe bleibt das Risiko für Menschen und Umwelt bestehen. Im Januar 2023 wurde deswegen eine Ausarbeitung zur Beschränkung der PFAS als Gruppe von fünf EU-Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) vorgelegt. Vorausgesetzt der Konsultationsprozess verläuft erfolgreich, könnte die Gruppenbeschränkung der PFAS 2026 / 2027 in Kraft treten.

Letizia Behrend, GUT


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